Nun ist das Kreuz an seinem richtigen Platz

ein Interview mit Franz Inden und Josef Thissen | von Markus Bohmann |

 

Es fing an, als mich Franz Inden an der Supermarkt-Kasse ansprach: Hör mal, wir haben in Kaster an der Kirche ein Kreuz aufgehängt, da musst du mal was für den Pfarrbrief schreiben.“ Ich fand die Kombination „Jugendarbeit“ – „Ehrenamt“ – „unkonventionelle Lösung“ – „Zufall?“ interessant, so dass wir einen Termin für ein Interview vereinbarten.

An dieser Stelle sei schon mal erwähnt, dass ich das Interview kürzen musste. Wenn so viele Jahre ehrenamtliches Engagement zusammenkommt, gibt es viel zu erzählen.

 

Jetzt darf ich erstmal vorstellen:

Franz Inden, ehemaliger Lehrer an der Hauptschule Bedburg, auch bekannt für seine Aktivitäten beim TV Bedburg, Geschichtsverein, Kultivierung von alten Obstsorten und vieles mehr. Mit ihm beginnt die Geschichte. Und Josef Thissen, ehemaliger Steiger im Tagebau Garzweiler, Schütze, kirchlich sehr aktiv und man sieht ihn auch oft mit dem Fahrrad durch das Stadtgebiet fahren. Wir duzen uns, da Franz mein ehemaliger Trainer beim Turnverein und Josef ein geschätzter Arbeitskollege war.

 

M.B.: Franz, warum war es dir damals wichtig im Kunstunterricht ein Kreuz mit den Jugendlichen zu bauen?

Franz Inden: Das hatte eigentlich keinen direkten Einfluss auf meine religiöse Aktivität, sondern das kam spontan. Ich habe gesagt, es wäre doch eine Idee, mal etwas anderes zu machen als nur Töpfe, Vasen oder andere Figuren. Wir wollten mal figürlich arbeiten und da hatte ich die Idee mal ein Kreuz zu erstellen. Das kam aus meinem Inneren heraus. Daraufhin habe ich mit den Schüler/-innen besprochen, wie können wir das machen? Wir haben uns ein großes Blatt genommen und Skizzen erstellt, um zu sehen, wie es aussehen könnte. Dann haben wir uns große Blätter auf die Tische gelegt und versucht irgendwie einen Korpus zu formen und dabei haben wir das Gefühl gehabt, das könnte gut klappen.

Franz Inden erzählte, dass der Bedburger Schreiner Peter Wirtz nach der Fertigstellung des Korpus das Kreuz anfertigte, das Eichenholz spendete die damalige Rheinbraun.

 

M.B.: Wie haben denn damals die Jugendlichen darauf reagiert, dass ein Kreuz gebaut werden soll?

Franz Inden: Ich habe den Vorschlag gemacht, ob wir nicht einmal ein Kreuz bauen könnten? Und ich bekam ein positives Echo. Es waren tatsächlich ein paar Jugendliche dabei, die wirklich mit Elan rangegangen sind. Das bescheuerte ist, ich habe von den Schüler/-innen keinen mehr erwischt, der hier noch in unserer Gegend wohnt.

Obwohl es keine christliche Schule war, war es Franz Inden und dem damaligen Schulleiter Steffens wichtig, dass dieses Kreuz im Eingangsbereich der Hauptschule seinen Platz findet. Bedauerlicherweise musste die Schule abgerissen werden und im neuen Gebäude wurde es nicht mehr aufgehängt. Brandschutztechnische Gründe sollen dabei eine Rolle gespielt haben. So fand es seinen Platz in einem Abstellraum.

 

Franz Inden: Und das Kreuz stand da und dann habe ich Günther Tepe getroffen. Daraufhin habe ich ihm das erzählt und er sagte, bring es einfach hier ins Pfarrheim nach Kaster, ich sorge dafür, dass das einen würdigen Platz bekommt. Und dann habe ich, Gott sei Dank, einen Mitstreiter, Josef Thissen, gefunden.

So kam jetzt Josef Thissen ins Spiel. Die beiden kannten sich, da Franz ihn vor langer Zeit als Konditionstrainer beim BBV „quälte“.

 

M.B.: Josef was hast du denn gedacht, als du das Kreuz gesehen hast?

Josef Thissen: Erstmal, was will der (Pfr. i. R. Günter Tepe, Anmerkung der Red.) von mir? Wir kennen uns von Wallfahrten nach Kevelaer, wo wir immer mit dem Fahrrad mitgefahren sind. Und wenn Günter Tepe etwas hat, dann kommt er zu mir. Und dann sagte er, Josef hör mal, da liegt ein Kreuz, das müssen wir aufhängen. Ich sagte, was heißt hier wir? Dann haben wir ein bisschen Spaß gemacht!! Dann ging es los, wo sollen wir es hinhängen? Ein Riesenproblem! Auch Pfarrer Hermanns wusste keinen Rat. Und dann wurde mir das ein bisschen zu blöd. Ich bin mal um die Kirche gegangen und habe die wunderbare Ecke gefunden, diese sauber gemacht, alles ausgeräumt und dann habe ich das einfach aufgehängt! Später habe ich dann Pfarrer Dr. Wolter davon erzählt und er war begeistert. Der hat auch direkt gesagt, da muss noch ein Dächlein drüber, damit das geschützt wird.

 

Und das hat Josef Thissen natürlich auch noch gemacht.

Jetzt hat das Kreuz einen würdigen Platz gefunden. Das Kreuz hängt zwar ein wenig versteckt, aber dafür lädt es abseits vom Trubel auch dazu ein, in Ruhe das Kreuz zu betrachten. Und auch mal in sich zu gehen und im Gebet seine Anliegen an Gott heran zu tragen.

Das ist auch ein schönes Zeichen, dass ehrenamtlicher und christlicher Einsatz doch meistens sein Ziel findet, auch wenn es 32 Jahre dauert.

Es fing an zu regnen und beim Verabschieden sagten beide mit einem Lächeln, es ist auch schön, wenn einer aus St. Lambertus zusammen mit einem aus St. Georg etwas schaffen.